Dienstag, 27. November 2012

Café Museum, Wien



Das Café Museum in der Originaleinrichtung von Adolf Loos. Quelle: MAK Wien


Ferdinand Rainer eröffnete 1899 das Café Museum am Karlsplatz, Operngasse 7, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sezession, zum Künstlerhaus und zur Akademie der bildenden Künste sowie zur Staatsoper, zum Theater an der Wien und zum Musikvereinssaal. Die Einrichtung ließ er von Adolf Loos gestalten (es war der erste größere Auftrag für Loos in Wien). Im Gegensatz zu den in üppigem Prunk eingerichteten Gründerzeit-Kaffeehäusern besticht das Café Museum durch Schlichtheit und Sachlichkeit. Das wurde durch Bugholzstühle und Tische der Firma Thonet noch betont. Der Stil des Cafés trug ihm bald nach seiner Eröffnung den von Ludwig Hevesi geprägten Beinamen "Cafe Nihilismus" ein.

1906 wurde das Café Museum von der Familie Pretscher übernommen, die es in den folgenden Jahrzehnten erfolgreich durch zwei Weltkriege sowie durch wirtschaftlich schwierige Zeiten führte.

Im Café Museum fühlten sich unzählige Künstler wohl. Unter anderem waren hier die Maler Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka, die Schriftsteller Peter Altenberg, Joseph Roth, Soma Morgenstern, Karl Kraus, Georg Trakl, Elias Canetti, Hermann Broch, Robert Musil und Leo Perutz, die Komponisten Alban Berg, Franz Lehar und Oscar Straus sowie die Architekten Otto Wagner und Adolf Loos zu Gast. 

Soma Morgenstern erwähnt das Café Museum in seinem Buch “Joseph Roths Flucht und Ende”:

Roth war diesmal nur zu einem kurzen Besuch in Wien. […] Wir trafen uns natürlich im Café Museum. Anderen Tags rief mich Musil an. „Gestern war ich auch im Café Museum. Aber Sie waren in dem kleinen Gibson-Zimmer in so eifrigem Gespräch mit einem Herrn, und ich wollte Sie nicht stören. Ich war mit Broch. Mit wem waren Sie?“ fragte er. „Mit meinem Freund Joseph Roth“, antwortete ich.


1931 gestaltete Josef Zotti, ein Schüler von Josef Hoffmann, das Café neu.2003 fand abermals ein Umbau statt, wobei die Gestaltung von Adolf Loos rekonstruiert wurde, was aber vom Publikum nicht angenommen wurde. (Teile des Zotti Original-Mobiliars sind heute im Hofmobiliendepot Möbel Museum ausgestellt). Mitte 2010 verpachtete die Besitzerfamilie Pretscher-Rokitansky das Café Museum an Berndt Querfeld, der Josef Zottis Inneneinrichtung mit Logen und Bänken wieder auferstehen ließ.

Das Café Museum heute. Quelle: Café Museum

Quellen: MAK Wien, Cafe Museum

Samstag, 24. November 2012

(Abfotografierter Ausschnitt aus) Trude Fleischmann, Maria Eva Sybilla Blei, um 1924

Freitag, 23. November 2012

(Abfotografierter Ausschnitt aus) Trude Fleischmann, Dame mit Zigarette, um 1930, Galerie Kicken, Berlin

Donnerstag, 22. November 2012

Dienstag, 20. November 2012



Trude Geiringer/Dora Horovitz, Elisabeth Bergner, Wien Cobenzl, 1931


Des öfteren zeigten wir im Café Werke der Wiener Fotografinnen Trude Fleischmann, Dora Kallmus und anderer. Das Jüdische Museum in Wien hat diesen Künstlerinnen nun eine Ausstellung gewidmet ("Vienna's Shooting Girls", kuratiert von Iris Meder und Andrea Winklbauer; bis 3. März 2013), die Arbeiten von ca. 40 Wiener jüdischen Fotografinnen vor 1938 zeigt. Wie gut, dass das Café in den nächsten Tagen nach Wien übersiedelt!

Unbedingt erstehen sollte man den zur Ausstellung erschienen Katalog mit Textbeiträgen von Ulla Fischer-Westhauser, Astrid Mahler, Iris Meder, Lisa Silverman und Andrea Winklbauer, Metro Verlag, ISBN-Nr. 978-3-99300-089-9.


Frauke Lauterbach 1930, Edith Glogau © Fotosammlung WestLicht, Wien

Trude Fleischmann, Dolly Haas als Scampolo, um 1932


Dora Kallmus, Madame Agnès, Paris um 1927, Universitätsbibliothek Wien



Slideshow des Kurier

Mittwoch, 14. November 2012

Ausstellung „So wurde ihnen die Flucht zur Heimat. Soma Morgenstern und Joseph Roth“


Joseph Roth (Mitte) und Soma Morgenstern (rechts) im Pariser Café Le Tournon um 1938.


In der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main ist vom 6. November 2012 bis zum 19. Jänner 2013 die Ausstellung „So wurde ihnen die Flucht zur Heimat. Soma Morgenstern und Joseph Roth“ des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 zu sehen. Am 12. November führte Dr. Heinz Lunzer, der die Ausstellung zusammen mit Dr. Victoria Lunzer-Talos kuratierte, Mitglieder der Internationalen Joseph Roth Gesellschaft im Rahmen einer Tagung durch die Ausstellung.
 
Joseph Roth und Soma Morgenstern waren fast gleich alt, stammten aus fast der selben Gegend im Osten der österreichisch-ungarischen Monarchie, fanden auf ähnlichen Wegen in die Literatur, waren beide zugleich Journalisten und Schriftsteller, mit vielen Berührungspunkten zueinander in ihren Leben und doch in vielem verschieden: Roth wurde rasch berühmt, Morgenstern ist erst nach seinem Tod breiter bekannt geworden; der eine hat in seinen oft heftigen Briefen wortreich über persönliche Lage geschildert, der andere lebte mit der Erinnerung, über die er lange Zeit hinweg Aufzeichnungen machte. Beide Autoren waren mit dem Judentum, das ihre Kindheit und Jugend bestimmte, eng verbunden, allerdings doch verschieden davon bestimmt; beide in ihrem Werk darauf Geschichten aufbauend, vor allem literarisch der eine, intensiver traditions-orientiert der andere.

Roth veröffentlichte in kurzer Zeit ein umfangreiches, inhaltlich vielseitigeres Werk, an Gegenwart und Zukunft verzweifelnd; Morgenstern arbeitete langsam, tief verstrickt in sein Thema der jüdischen Position in der Welt; beide im Bewußtsein des Untergangs der alten jüdischen Welt.

Beide Autoren studierten in Wien, arbeiteten bei der „Frankfurter Zeitung“, flohen vor dem Nationalsozialismus nach Frankreich, der eine 1933 aus Deutschland, der andere 1938 aus Österreich; beide waren dort mit schwierigen Existenzsorgen konfrontiert. Während Roth wenige Wochen vor dem Beginn des 2. Weltkriegs starb, flüchtete Morgenstern abenteuerlich und lebte entbehrungsreich, bis er 1940 die USA erreichte. Tief erschüttert versuchte er weiter, als Autor zu leben; die Erinnerungen an das Leben mit den früh verstorbenen Freunden, darunter Roth, aber auch Alban Berg, beschäftigen ihn ebenso intensiv wie seine Stellung zu Fragen der jüdischen Geschichte und Gegenwart.
Die Ausstellung umfaßt rund 250 Objekte, darunter unbekannte Fotografien von den beiden Autoren und ihrem jeweiligen Ambiente, Handschriften, Tagebücher, Briefe, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Grafiken.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch „So wurde ihnen die Flucht zur Heimat. Soma Morgenstern und Joseph Roth.“
Mit Texten von Sylvia Asmus, Heinz Lunzer und Victoria Lunzer-Talos.
128 Seiten, ca. 70 Abbildungen. ISBN 978-3-938803-47-9.
Bonn: Weidle Verlag, 2012.

Mittwoch, 5. September 2012

Donnerstag, 26. Juli 2012




Das Café übersiedelt zur Sommerfrische nach Kroatien. Zur Einstimmung ein Foto aus Zagreb, 1934.
Quelle: La Bouillerie

Mittwoch, 18. Juli 2012


Frau im Stuhl B3 von Marcel Breuer
Maske von Oskar Schlemmer
Kleid von Lis Beyer
Foto: Erich Consemüller, 1926

Quelle: geldenkirchen auf flickr

Montag, 2. Juli 2012

Leibesübungen (7): auf hoher See


Im Schwimmbad an Bord der “Tjikini”, ca. 1931. Foto van Jan van Schooten im Scheepvaartmuseum, Amsterdam.

Dienstag, 26. Juni 2012

Marcel Duchamp


Marcel Duchamp Schach spielend, 1952. Foto von Kay Bell Reynal. Smithsonian Institution Archives of American Art.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Holzschnittdrucke von Joris Minne


Am Antwerpener Antiquitätenmarkt am Sint-Jansvliet entdeckte ich vor kurzem ein paar Blätter aus einem Buch mit Holzschnittdrucken von Joris Minne – notabene lagen sie auf dem kalten Steinpflaster unter einem Ausstellungstisch. Immer wieder ist es herzzerreissend, wenn Händler Bücher unwiderbringlich zerschneiden, nur um ein paar Euro mehr zu verdienen.H

Der Belgier Joris Minne (Oostende, 1897 – Antwerpen, 1988) gehörte der Gruppe “De grote vijf” (die großen Fünf) an, die sich nach dem ersten Weltkrieg formierte. Andere Mitglieder waren Jan Cantré, Jozef Cantré, Henri van Straten und Frans Masereel.

Die Blätter schienen mir zu beschädigt, um sie kaufen (was ich mittlerweile bereue). Die hier dargestellten Abbildungen sind Resultat meiner anschließenden Internetsuche.

Interview (holländisch): dbnl